Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

 


Webnews



http://myblog.de/sthtmatters

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
It's nine o'clock

Ein alter Mann, der wohl seinen Gin Tonic öfter umarmt, als seine Enkel, beugt sich zu mir rüber und sagt, dass ich ihn sein Lieblingslied spielen soll und summt es mir auch gleich vor. Ich erkenne tatsächlich was für ein Stück er meint und fange wieder an zu spielen. Ich hatte gerade Pause und habe mir bei meinem Kumpel an der Bar Nachschub geholt und pflichtschuldig seinem Klagen zugehört. Seine verschenkte Jugend, seine besten Jahre in dieser Kneipe, Hollywood sein Traum.

Ich sitze also am Klavier und nicke David zu, dem wohl ältesten Mann bei der Marine, der eben herein kam und sich sofort in ein Gespräch gestürzt hat. Der andere ist auch öfter hier, immer allein; er und seine pralle Aktentasche. Es läuft heute recht gut in der Bar und die Bedienung hat keine Zeit zwischendurch mal eines ihrer Bücher anzuschauen oder sich den Wirtschaftsteil der Zeitung zu nehmen. Hin und wieder kommt der Chef vorbei, sichtlich zufrieden mit der Menge an Gästen, die hier in Gesellschaft allein sind und ihre Sorgen ertränken. Sie hören mir andächtig zu und das Klavier verbreitet das pure Leben und ich singe dazu und trinke hin und wieder ein Bier. Da beugt sich einer mit dem großzügigen Trinkgeld zu mir über die Tasten und sagt: "Hey, was machst du eigentlich hier?"

 

In diesem Rattenloch... in dieser Sammelstelle für gescheiterte Existenzen...

Diese Frage muss Billy Joel bewegt haben, als er die Pointe für Pianoman erdachte. Es ist oftmals leichter als Einäugiger über die Blinden zu herrschen, als sich auf zu machen, sich einen Traum zu erfüllen... oder, um dem ganzen etwas Pathos zu nehmen, zu erkennen, dass man nur ein verdammter Einäugiger ist, der kurz davor ist, sich sein letztes Auge auszustechen.

4.3.07 16:16


Dies ist ein Protestsong....

Mag jemand Erörterungen? Dieses Für und Wider; möglichst in großen Dimensionen; möglichst jedes haarkleine Detail verarbeiten.... Natürlich sind Schuluniformen:

a) unmenschlich und führen zu nationalsozialistenwählenden, gleichgeschalteten Hirntoten!

b) unerlässlich für das Überleben des geordneten Staates und werden Nobelpreisträger nach Deutschland bringen!

So in etwa läuft das ja ab, auch wenn die Themen variieren können (Ist Fernsehen gut?, Ist Globalisierung gut?, Sollte man Arbeitslose erschießen?, Sind in Deutschland Schuluniformen von Nöten? und Wie ist der Einfluss der Medien zu beurteilen?), womit wir einer ungeheuren Vielfalt gegenüberstehen. Sollte es dazu kommen, dass man eine solche Diskussion tatsächlich öffentlich in einer überschaubaren Runde führt, besteht ein Problem: Einer muss das Arschloch sein! Wenn das nicht der Fall ist, ist die Debatte entweder erschreckend entgeistigt oder aber ein einmütiges Einschlagen auf die leblose Opposition. Man kann kein Gespräch über landwirtschaftliche Tierhaltung führen, ohne dass jemand sagt: "Ist mir egal, ob mein Schnitzel noch 7 Minuten nach dem Schlachten am Leben war, hauptsache zart!" oder "Wärst du etwa bereit den Preis zu zahlen, den ein Ei kostet, wenn so eine Henne tatsächlich einen ganzen DinA4-Blatt großen Raum zur Verfügung hat?"

Bleibt diese Person aus, weil sie zum Beispiel gerade bei Burger King das Lebendgewicht ihrer pubertierenden, bulimierenden Tochter in Fleisch verdrückt oder weil sie in der Wahlkabine steht und bei FDP ein Kreuz macht, dann reiht sich eine empörte Stimme an eine andere, wird ein guter Tipp nach dem anderen gegeben und irgendwo auf der Welt rotiert ein leidenschaftlicher Redner in seinem Grab.

Ist diese höchst interessante Person allerdings anwesend, so vom Vorherigen Szenario nur noch die Empörung geblieben, allerdings in schreiender Form und meist hat sich ihr Ziel in Richtung dessen gedreht, der hier tatsächlich Kontra gibt.

Es gibt allerdings auch Kriterien, die erfüllt werden müssen, wenn man die rebellische Person als interessant bezeichnen will. Meist ist es der Punkt, ob man selbst die Opposition bildet, oder ob das irgendein schwachköpfiger Möchtegern ist.

6.3.07 19:38


Natürlich hat ein Deutscher Wetten dass...? erfunden

Everybody's got a hold on hope. It's the last thing that's holding me.

Das ist mit "Die Hoffnung stirbt zuletzt" zwar nicht zu meiner Zufriedenheit, aber, dies muss man, wenn man der deutschen Sprache auch, trotz so Könnern wie Kleist, den ich gerade lese, Eleganz und Schönheit absprechen will, zugeben, treffend -und einigermaßen poetisch- übersetzt.

Ich bin natürlich kein Zwiebelfischer à la Bastian Sick (und wer meine Schreibkünste beobachtet, wird dies auch bestätigen), aber den Grundgedanken teile ich. Die deutsche Sprache soll leben.

Ich durfte in der letzten Zeit einige Bekannte eines Freundes kennenlernen, die, als sei es nicht faszinierend genug, dass sie Musikinstrumente leidlich gut beherrschen, begonnen haben, für ihre Band (Ich bitte um Entschuldigung), in der sie sonst nur gecoverte (Ich bitte um Entschuldigung) Titel spielen, einer davon hat einen deutschen Text - ob Rammstein die richtige Wahl war, ist diskutabel-, eigene Lieder zu schreiben. Diesen Prozess durfte ich eine Weile mitverfolgen, sprich über mehrere Stationen. Auf Grund der Tatsache, dass sie mit Musik noch kein Geld verdienen, anderen Beschäftigungen nachgehen, teilweise frisch verliebt sind und bei Auftritten bekannte Songs (Ich bitte um Entschuldigung) bevorzugt werden, die eben auch einstudiert werden müssen, hat nur ein Lied überdauert und wird nun auch regelmäßig zum Besten gegeben.

Zu so einem Lied brauchen manche also erst mal eine Begleitung, vielleicht schon eine Melodie. Daran wurde der Text aufgehängt.

Da! Da war er, dieser Punkt, der über Schwimmen oder Untergehen entschied! (Sagt man das im deutschen überhaupt? Egal! Ein sink or swim- Moment (Ich bitte um Entschuldigung)) Eine Grundrichtung ist vorgegeben, zu dem getragenen Moll passt die Freude über die neue Haarfrisur des Dackel nicht. Aber liefen da nicht gerade die Ärzte im Radio? (Natürlich habe ich die Geschichte nicht miterlebt und natürlich liefen die Ärzte nicht) Ein Text übers Verlassenwerden! Das Endprodukt durfte ich mir durchlesen, hauptsächlich deshalb, weil ich darum bat, nachdem ich den Text nach mittlerweile drei Konzerten immer noch nicht verstanden habe. Leider hatte dies rein akkustische Gründe, die Sprache war banal. Wie sollte es auch anders sein? Kaum einer, der sich, als der englischen Sprache mächtig, bezeichnet, kann mit irgendeinem Muttersprachler mithalten und so ist auch mir natürlich, ein klempneresker (...) Schotte wie Mark Knopfler meilenweit voraus, ist er nicht?

Nein, ist er nicht!

 

Bis auf die Tatsache natürlich, dass in meinen Händen eine Gibson Les Paul -auch auf deutsch!- nicht ansatzweise so klingt....

8.3.07 19:39





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung